Achtsamkeit

Eine alte Zen-Geschichte handelt von einem Mann auf einem Pferd. Dieser Mann reitet sehr eilig auf seinem Pferd dahin, und es macht den Anschein als müsse er ganz schnell wohin. Am Wegesrand steht ein älterer weiser Mann und fragt: „Wohin des Weges?“ Woraufhin der Mann antwortet: „Keine Ahnung! Frag das Pferd.“ 

Manchmal wissen wir gar nicht mehr, wer oder was uns hetzt, wohin es geht oder wer wir sind. Unter Stress verlieren wir häufig den Kontakt zu unseren körperlichen Empfindungen. Äußere und innere Anforderungen werden unseren Gefühlen und Wahrnehmungen übergeordnet und wir verlieren den Kontakt zu unserem tieferen Selbst. Die Folge sind Anspannung, Nervosität, innere Leere bis hin zu starken seelischen Leiden.

Achtsamkeit ermöglicht uns vom Pferd abzusteigen und wieder den tragenden Boden zu spüren. Es bedeutet, die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu lenken und die Dinge so wahrzunehmen wie sie sind; ohne Bewertungen im Hier und Jetzt ankommen.

Achtsamkeit ermöglicht ein klares Verständnis darüber, wie unsere Gedanken und Gefühle unserer Lebensqualität beeinflussen und hilft uns tiefer mit uns und dem Fluss des Lebens in Kontakt zu kommen. Die Praxis der Achtsamkeit kann zu mehr Gelassenheit, Balance, Ruhe, mehr Lebensfreude und zu neuen Perspektiven führen und hilft gerade bei psychischen Erkrankungen der Seele, wieder ihren Platz zu finden.

Selbstmitgefühl

  

„Der augenblickliche Stand wissenschaftlicher Erkenntnis erlaubt uns die begründete Aussage, dass Güte und Mitgefühl für das Gehirn sind, was der Atem für das Leben ist“

 Daniel J. Siegel

„Achtsamkeit bedeutet „zu wissen, was man erlebt, während man es erlebt, ohne es zu bewerten. Doch manchmal ist das, was wir fühlen, sehr schmerzhaft und wir können es nicht lassen, gegen die Erfahrung anzukämpfen und uns zu kritisieren. Das ist der Augenblick, wo wir uns selbst gegenüber eine neue Haltung einnehmen müssen: Selbstmitgefühl “                                                 

Chris Germer

Der Begriff Selbstmitgefühl beschreibt eine gütige und freundliche Weise mit uns selbst umzugehen. Gerade im Leid geht es darum, einen selbstmitfühlenden Umgang mit sich zu entwickeln, der es ermöglicht sich selbst, auch in schwierigen Phasen des Lebens, mit Güte, Fürsorge und Verständnis zu begegnen.

Häufig neigen wir dazu, besonders auf belastende Situationen mit harter Selbstkritik und Selbstverurteilung zu antworten. Diese ausgeprägte kritische Haltung sich selbst gegenüber erhöht die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken und kann einem positiven Krankheitsverlauf bei psychischen Erkrankungen erschweren. Selbstmitgefühl ermöglicht eigene Unzulänglichkeiten anzunehmen und Schwächen sowie Fehler warmherzig und liebevoll zu begegnen.

Selbstmitgefühl umfasst drei Kernkomponenten: Freundlichkeit mit uns selbst, Mitmenschlichkeit und achtsames Gewahrsein. Wenn wir diese geistige Haltung entwickeln sind wir gegenüber Belastungen widerstandsfähiger und erlangen mehr Wohlbefinden und Zufriedenheit. Aktuelle Forschungsergebnisse belegen zudem einen Zusammenhang zwischen einem gut entwickelten Selbstmitgefühl und der Abnahme von Angst und Depression.

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